Was ist das Handlungsfeld Wissen?

Damit deine Teammitglieder ihre gemeinsamen Ziele erreichen können, müssen sie das hierfür notwendige fachliche und methodische Wissen haben. In meinem Artikel erkläre ich dir, was damit konkret gemeint ist und warum du in deinem Team unbedingt auf Wissensinseln achten solltest.

Fachliches und methodisches Wissen - das Handlungsfeld Wissen im Modell für nachhaltige Teamentwicklung

Was steckt hinter dem Handlungsfeld Wissen?

Mit dem Handlungsfeld Wissen ist im Modell für nachhaltige Teamentwicklung das Wissen gemeint, das jedes deiner Teammitglieder einbringt und das notwendig ist, damit sie als Team ihre gemeinsamen Ziele erreichen können. Konkret müssen deine Teammitglieder nicht nur Fachwissen, sondern auch die Arbeitsmethodik sowie die Prinzipien und Praktiken der Zusammenarbeit kennen und beherrschen.

Fachliches Wissen

Um ihre Aufgaben überhaupt bearbeiten zu können, benötigen deine Teammitglieder fachliches Wissen. Lass mich an ein paar Praxisbeispielen verdeutlichen, was ich damit meine.

Beispiel 1: Teams in der Sachbearbeitung

Wenn dein Team in der Sachbearbeitung tätig ist, müssen die Teammitglieder beispielsweise Wissen in internen Arbeitsabläufen und Gesetzen haben, damit sie Anfragen zeitnah korrekt bearbeiten und abschließen können.

Fachliches und methodisches Wissen - das Handlungsfeld Wissen im Modell für nachhaltige Teamentwicklung

Beispiel 2: Teams in der Softwareentwicklung

Teams in der Softwareentwicklung benötigen beispielsweise Wissen in Programmiersprachen, Entwicklungsumgebungen und Architekturen von IT-Systemen.

Beispiel 3: Teams in Arztpraxen

Ist dein Team für den reibungslosen Ablauf einer Arztpraxis verantwortlich, benötigen deine Teammitglieder beispielsweise Wissen in der Bedienung der Software zur Vereinbarung von Terminen sowie zur Führung einer Praxis und dem Umgang mit Patienten.

Du siehst: Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen und auch beim Handlungsfeld Wissen ist jedes Team anders. Schließlich braucht ein Team das Wissen, das zum eigenen Tätigkeitsbereich und den eigenen Zielen passt.

Methodisches Wissen

Unter Prinzipien und Praktiken der Zusammenarbeit verstehen wir Prozesse, Wege und Vorgehensweisen, die dein Team einsetzt, damit es gut und effizient miteinander arbeiten kann. Das können selbst erarbeitete Vorgehensweisen und Prozesse sein, aber auch bekannte Frameworks wie beispielsweise Scrum oder Kanban.

Wenn du mit einem Scrum-Team arbeitest, müssen die Teammitglieder deshalb beispielsweise den Sinn und Zweck eines Daily-Standups und einer Retrospektive verinnerlicht haben. Dazu gehört auch, dass sie die drei typischen Fragen eines Daily-Standups sowie die zeitliche Begrenzung von 15 Minuten verstanden haben.

Der Team-Coach moderiert die Retrospektive und wählt die entsprechenden Methoden aus.

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Für mehr Wissen braucht es psychologische Sicherheit

Im Handlungsfeld Wissen zeigt sich erneut die Wichtigkeit der psychologischen Sicherheit für die Entwicklung deines Teams.

Sie ist der sichere Rahmen, in dem deine Teammitglieder zugeben können, dass ihnen Wissen fehlt, um beispielsweise einen Wortbeitrag in einer Diskussion zu verstehen oder eine Aufgabe bearbeiten zu können. Erst durch diesen offenen Umgang und dieses „Geständnis“ können sie sich als Team gegenseitig dabei unterstützen, die festgestellten Wissenslücken zu schließen und sich gemeinsam zu verbessern.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn sich deine Teammitglieder nicht psychologisch sicher fühlen, werden sie nicht zugeben, dass ihnen Wissen fehlt. Hierdurch kann sich dein Team nicht verbessern und es tritt auf der Stelle.

Wissen wird erst durch Erfahrung wirklich wertvoll

In meinem Artikel über das Modell für nachhaltige Teamentwicklung habe ich dir erklärt, dass die Handlungsfelder keine Reifegerade oder Phasen sind. Es geht also nicht darum, sie nacheinander zur Perfektion zu entwickeln, sondern du musst den einzelnen Handlungsfeldern abwechselnd Schübe verleihen, damit sich dein Team schrittweise weiterentwickelt.

Besonders deutlich wird dies im Handlungsfeld Wissen. Schließlich wird das Wissen (die Theorie) erst mit gemachten Erfahrungen so richtig wertvoll, weil deine Teammitglieder immer besser verstehen, wie sie ihr Wissen möglichst effizient einsetzen können. Wenn du beispielsweise an ein Team in der IT denkst: In den meisten Programmiersprachen gibt es 100 Wege, die zum Ziel führen. Bei Schulungen, die deine Teammitglieder besuchen, werden sie weitere Wege gezeigt bekommen. Aber erst durch das Verproben und ausprobieren werden sie einen Weg für sich als Team finden, den sie zukünftig gemeinsam nutzen werden, um wirklich Fortschritte erzielen zu können.

Übrigens: Aus der Erfahrung, die deine Teammitglieder machen, wächst meistens der Wunsch nach mehr Wissen. Schließlich hat das neue Wissen doch ganz gut geholfen, oder?

Verteiltes Wissen statt Wissensinseln

Deine einzelnen Teammitglieder müssen nicht unbedingt alles wissen, solange sie sich bei ihrer täglichen Arbeit gegenseitig unterstützen und helfen können. Aus diesem Grund solltest du darauf achten, dass dein Team eine Haltung der Zusammenarbeit entwickelt und lebt.

Wissensinseln oder Aufgaben, die nur ein einzelnes Teammitglied erledigen kann, weisen eher auf einen zusammengewürfelten Haufen als auf ein richtiges Team hin – unabhängig davon, dass Wissensinseln wenig hilfreich für eine erfolgreiche Teamarbeit sind. Schließlich werden sie früher oder später für dein Team zur Herausforderung. Dafür reicht es schon, dass eines der Teammitglieder im Urlaub ist oder krankheitsbedingt ausfällt, sodass niemand einspringen und übernehmen kann. Deshalb haben wir diesen Aspekt auch in unsere Definition eines Teams aufgenommen.

Derartige Teams entstehen häufig nach gut gemeinten Umstrukturierungen, in denen die bisherige Teamstruktur verändert wird – meist in der Hoffnung, aus den bisherigen Einzelkämpfern und Experten ein schlagkräftiges Team zu formen.

In solchen Fällen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, eine Skill-Matrix mit den Teammitgliedern zu erarbeiten. Hierdurch wurden benötigte und vorhandene Fähigkeiten transparent, sodass die Teammitglieder Fähigkeiten festlegen konnten, an denen sie arbeiten und in denen sie sich gemeinsam verbessern wollten.

Die Definition von Team: Merkmale und Kriterien. Das A-Team ist eher ein zusammengewürfelter Haufen.

Autor dieses Artikels

Markus Trbojevic, Autor von "Jedes Team ist anders" und Team-Coach aus Leidenschaft

Markus Trbojevic
Teamentwickler, Coach und Autor von „Jedes Team ist anders“.

Markus liebt es, wenn sich Teammitglieder entwickeln und als Team sukzessive Erfolge feiern. Als Autor von „Jedes Team ist anders“ sieht er seine Mission darin, Teamentwicklung möglichst nahbar und verständlich zu machen, um hiermit vielen Menschen und Teams in ihrer täglichen Arbeit zu helfen.

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