Was ist Teamentwicklung?

Über das Ziel von Teamentwicklung, mögliche Methoden und psychologische Sicherheit

Immer mehr Unternehmen wünschen sich, dass ihre Mitarbeitenden in richtigen Teams und nicht nur in Gruppen von Menschen zusammenarbeiten. Von der Teamarbeit versprechen sie sich Vorteile wie Effizienz und Effektivität bei der Erarbeitung wertstiftender Arbeitsergebnisse. Auch eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber spielt in den Überlegungen oft eine Rolle. Um diese Vorteile erreichen und leistungsfähige Teams zu entwickeln, braucht es eine entsprechende Teamentwicklung. Aber wie ist die Definition von Teamentwicklung und was steckt dahinter? Welche Ziele sollen mit Teamentwicklung konkret erreicht werden und welche Methoden können dabei helfen? Wo sollte mit der Teamentwicklung angefangen werden und in welchen Phasen entwickelt sich ein Team? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel nach.

Das Ziel von Teamentwicklung: Ein Hochleistungsteam oder High Performance Team wie die Team-Persona Big Five

Abbildung 1: Das Ziel von Teamentwicklung: Ein Hochleistungsteam oder High Performance Team wie die Team-Persona Big Five.

Beobachtbare Verhaltensänderungen sollen bei der nachhaltigen Teamentwicklung der Team-Persona A-Team helfen

Abbildung 2: Beobachtbare Verhaltensänderungen sollen bei der nachhaltigen Teamentwicklung der Team-Persona A-Team helfen.

Wie definieren wir Teamentwicklung?

Teamentwicklung dient der Verbesserung der individuellen Effektivität sowie der Effektivität als Team auf der Basis einer vertrauensvollen Zusammenarbeit durch Förderung beobachtbarer Verhaltensänderungen mit dem Ziel, das neue Verhalten nachhaltig zu verankern.

Das Internet und die Literatur sind voll von Artikeln über Teamentwicklung. In den meisten Artikeln finden wir viele wichtige Aspekte – aber keine klare Definition. Auch der Wikipedia-Artikel zum Begriff „Teambildung“ – als Synonym für Teamentwicklung – liefert nicht eine eindeutige, sondern mehrere unterschiedliche Definitionen1. Deshalb ist die oben stehende Definition unsere persönliche Zusammenfassung aller gesichteter Quellen.

Welche Ziele sollen mit Teamentwicklung erreicht werden?

Entsprechend unserer obigen Definition soll mithilfe von Teamentwicklung sowohl die Effektivität auf individueller Ebene als auch auf Ebene des Teams verbessert werden. Hierfür ist es notwendig, im Team beobachtbare Verhaltensänderungen zu fördern sowie eine kontinuierliche Verbesserung zu ermöglichen und etablieren. Das langfristige Ziel der Teamentwicklung ist deshalb eine nachhaltige Verbesserung der gemeinsamen Zusammenarbeit – mithilfe geeigneter Methoden. Je besser und erfolgreicher dies gelingt, desto eher entwickelt sich das Team zu einem sogenannten High Performance Team.

Begleitung durch eine Person – beispielsweise Scrum Master oder Führungskraft

Auf dem Weg zu einem gut entwickelten Team wird dieses in der Regel von einer Person begleitet, die für die Teamentwicklung verantwortlich ist. In Scrum Teams übernimmt diese Aufgabe typischerweise ein Scrum Master. In anderen Teams und Organisationen übernehmen möglicherweise Agiles Coaches, Führungskräfte oder Teammitglieder diese Rolle. Weil uns eine coachende Grundhaltung dieser Person wichtig ist, bezeichnen wir sie methodenneutral als Team-Coach.

Der Team-Coach, Scrum Master oder Agile Coach begleitet das Team bei der Teamentwicklung mit seinen Methoden

Abbildung 3: Der Team-Coach, Scrum Master oder Agile Coach begleitet das Team bei der Teamentwicklung mit seinen Methoden.

Maßnahmen der Teamentwicklung adressieren das Team und einzelne Teammitglieder

Beim Lesen unserer Definition wird schnell deutlich, dass Teamentwicklung nicht nur das Team als Ganzes und Gruppe adressiert, sondern auch jedes einzelne Teammitglied. Es ist jedoch nicht nur jedes Team anders, sondern auch jedes Teammitglied. Es unterscheidet sich von den anderen in vielen Aspekten. Dazu gehörigen beispielsweise Dauer der Teamzugehörigkeit, Rolle im Team, Berufs- und Lebenserfahrung, Wissen, Kompetenzen und Präferenzen. Auch „weiche“ Faktoren wie Glaubenssätze, persönliche und berufliche Perspektive, Bedürfnisse und Ängste sind unterschiedlich. Aus diesem Grund fokussieren einige Entwicklungsmaßnahmen und Methoden in der Teamentwicklung das gesamte Team, andere hingegen ein einzelnes Teammitglied.

Ohne Vertrauen und ohne psychologische Sicherheit keine Teamentwicklung

Eine Kultur der vertrauensvollen Zusammenarbeit ist die Grundlage, auf der die Effektivität aller Teammitglieder und deren Zusammenarbeit als Team schrittweise verbessert werden kann. Schließlich tritt eine kontinuierliche Verbesserung nur dann ein, wenn sich die Teammitglieder sicher genug fühlen, vor den anderen das zu sagen, was sie denken und fühlen. Die Kultur der vertrauensvollen Zusammenarbeit wird als psychologische Sicherheit bezeichnet. Sie kann nicht als gegeben angenommen werden. Sondern sie muss im Rahmen der Teamentwicklung durch geeignete Methoden sowohl bei einzelnen Teammitgliedern, als auch beim Team als Gruppe erarbeitet und verfestigt werden. Ein unter Umständen langwieriger, dynamischer und aufwändiger Prozess.

Zurückhaltend und mit Problemen in der psychologischen Sicherheit. Einen wichtigen Ansatz für Teamentwicklung zeigt die Team-Persona Best Friends Forever (BFF)

Abbildung 4: Zurückhaltend und mit Problemen in der psychologischen Sicherheit. Einen wichtigen Ansatz für Teamentwicklung zeigt die Team-Persona Best Friends Forever (BFF).

Zehn Schritte für erfolgreiche Teams oder fünf Methoden für High Performance Teams

Jedes Team ist anders – das ist der Titel unseres Praxisbuchs für nachhaltige Teamentwicklung und unsere Haltung bei der Arbeit mit Teams. Deshalb werden wir an dieser Stelle weder „5 Schritte für erfolgreiche Teams“ noch „Top 10 Methoden für High Performance Teams“ beschreiben. Dennoch können und möchten wir ein paar Impulse über wirkungsvolle Methoden in der Teamentwicklung teilen.

Retrospektive als wirkungsvollste Methode in der Teamentwicklung

Die aus unserer Sicht wirkungsvollste Methode für eine kontinuierliche und erfolgreiche Teamentwicklung ist die regelmäßige Durchführung einer Retrospektive. In dieser sollten die Teammitglieder über mögliche Verbesserungen ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit sprechen und konkrete nächste Schritte vereinbaren können. Um eine wertstiftende Retrospektive durchzuführen, müssen sich die Teammitglieder somit sicher genug fühlen, ihre Gedanken zu äußern. Sie müssen sich psychologisch sicher fühlen.

In den ersten Schritten bewusst auf die psychologische Sicherheit fokussieren

Um sukzessive die psychologische Sicherheit im Team zu entwickeln, ist zum einen die Erarbeitung von gemeinsamen Werten und Prinzipien notwendig. Die Person, die sich um die Teamentwicklung kümmert, sollte darauf achten, als Vorbild voranzugehen und diese entsprechend vorzuleben. Auch in der Moderation von Terminen ist diese Person gefordert: Sie muss Äußerungen, die die psychologische Sicherheit des Teams verletzten könnten, identifizieren und entschärfen. Mithilfe von Einzelgesprächen und dem Loben der Teammitglieder macht das Team zunehmende Erfahrungen der psychologischen Sicherheit, wodurch zunehmend kritischere Themen in der gemeinsamen Retrospektive besprochen werden können. Auch hier zeigt sich, dass wie in der Definition beschrieben, in der Teamentwicklung sowohl mit den einzelnen Teammitgliedern als auch mit dem Team als Gruppe gearbeitet werden muss.

Die Team-Persona "Play hard": Teambuilding mit Spielen reicht als nachhaltige Teamentwicklung nicht aus

Abbildung 5: Die Team-Persona „Play hard“: Teambuilding mit Spielen reicht als nachhaltige Teamentwicklung nicht aus.

Teamentwicklung als bewusste Abgrenzung zu „Teambuilding“

An dieser Stelle möchten wir unsere Ansicht zum Begriff „Teambuilding“ schildern. Oft werden mit Teambuilding Maßnahmen und Methoden assoziiert, die bei der Teamentwicklung und dabei helfen sollen, das Vertrauen unter den Teammitgliedern herzustellen oder zu fördern. Typische Beispiele hierfür sind ein gemeinsamer Besuch im Hochseilgarten oder im Escape Room. Auch das Klischee von Teammitgliedern, die sich fallen lassen, um von den übrigen Teammitgliedern aufgefangen zu werden, ist oft nicht weit entfernt. Sowohl unsere Definition von Teamentwicklung als auch die obigen Ausführungen zeigen jedoch, dass die Weiterentwicklung eines Teams viel mehr ist als das. Es ist eine komplexe und herausfordernde Aufgabe, die neben Geduld auch viel Zeit benötigt. Diese Aspekte und eine nachhaltige Weiterentwicklung von Teams – für die es mehr benötigt als einen Besuch im Hochseilgarten – sind uns wichtig. Deshalb sprechen wir in unseren Artikeln und in unserem Praxisbuch bewusst von Teamentwicklung und nicht von Teambuilding.

Phasen der Teamentwicklung nach der Teamuhr von Tuckman

Im Zusammenhang mit Teamentwicklung kennen viele das Modell der Phasen – manchmal auch als Teamuhr bezeichnet – von Bruce Tuckman. Auch heute wird noch in vielen Ausbildungen und in der Literatur davon gesprochen, dass sich Teams anhand des Phasenmodells entwickeln würden und lediglich ins Performing gebracht werden müssten. Diese Personen interpretieren einen Automatismus und einen starren Ablauf von Phasen in das Modell hinein. Beides hat Tuckman in dieser Form nicht beschrieben. Unser Modell für nachhaltige Teamentwicklung unterstützt mit seinen fünf Handlungsfeldern wie psychologische Sicherheit oder Werten als Gedankenmodell und Methode. Außerdem hilft unser Modell dabei zu verstehen, wie Teams sich nachhaltig und kontinuierlich entwickeln. Die Anwendung des Modells mithilfe des Leitfadens für nachhaltige Teamentwicklung und viele weitere Impulse sind in unserem Praxisbuch zu finden.

Das Modell für nachhaltige Teamentwicklung hilft zu verstehen, wie sich Teams entwickeln

Abbildung 6: Das Modell für nachhaltige Teamentwicklung hilft zu verstehen, wie sich Teams entwickeln.

Fußnoten und Quellen

  1. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Teambildung (abgerufen am 16.04.2022)