Was ist ein Team? Mehr als eine Gruppe von Menschen!

Definition, Kriterien und Motivation für Teams sowie der Unterschied zu Arbeitsgruppen oder Gruppen

Teams findet man mittlerweile überall und allerorts ist von ihnen zu lesen. Es wird der Teamgeist beschworen, Teamwork eingefordert, nach Teamplayern gesucht und Teambuilding praktiziert. Aber was ist die Definition von „Team“, was unterscheidet es von einer Gruppe oder Arbeitsgruppe und welche Kriterien oder Merkmale gibt es? Was ist der Vorteil von Teamarbeit? Wie kann ein Team motiviert und erfolgreich entwickelt werden? All diesen Fragen werden wir in diesem Artikel nachgehen – der Reihe nach.

Wie definieren wir ein Team?

Unserer Beobachtung nach wird der „Team“-Begriff inflationär auf fast alle Gruppen von Menschen oder Formen menschlicher Zusammenarbeit angewendet. Wir sehen das ein wenig differenzierter und definieren ihn wie folgt:

Die Definition von Team: Merkmale und Kriterien. Das A-Team ist eher ein zusammengewürfelter Haufen.

Die Definition von Team – die Team-Persona „A-Team“ ist ein zusammengewürfelter Haufen, der keine gemeinsamen Ziele hat und die Kriterien somit nicht erfüllt.

Ein Team ist ein fester Zusammenschluss von mindestens zwei, idealerweise fünf bis neun Personen, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, das allen Teammitgliedern bekannt ist und das diese für erstrebenswert halten.

Um das gemeinsame Ziel zu erreichen, verfügt das Team über alle erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Es ist befugt, eigenständig Entscheidungen von angemessener Tragweite zu fällen. Außerdem überprüft und adaptiert das Team regelmäßig die Wirksamkeit seiner Zusammenarbeit, die auf gelebten Werten, Prinzipien und Praktiken basiert.

Kriterien und Merkmale für ein Team

Unsere Definition besteht aus insgesamt sieben Kriterien und Merkmalen. An diesen machen wir für uns fest, ob es sich wirklich um ein Team oder doch eher um eine Gruppe von Menschen handelt. In den Illustrationen in diesem Artikel sind unsere zwölf Team-Personas, hypothetische Teams mit denen wir gearbeitet haben, abgebildet. Diese haben wir in unserem Praxisbuch durch Geschichten beschrieben, um die Bedeutung der Merkmale für eine erfolgreiche Teamentwicklung erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Im folgenden Abschnitt erläutern wir die einzelnen Merkmale und Kriterien unserer Team-Definition kurz.

Acht Teammitglieder und ein Team-Coach: Würden diese Team-Personas zusammenarbeiten, hätten sie die ideale Teamgröße.

Acht Teammitglieder und ein Coach: Würden diese Team-Personas zusammenarbeiten, hätten sie die ideale Teamgröße.

Ideale Teamgröße: Zwei bis neun Personen

Um ein Team entsprechend unserer Definition zu bilden, sind eigentlich nur zwei Personen erforderlich. Für kleinere Aufgaben reicht das aus. Die Erwartungen an gute Teamarbeit und die Größe der Aufgaben gehen jedoch in der Regel über das hinaus, was zwei Personen realistisch leisten können. Deshalb finden wir eine Teamgröße von fünf bis neun Personen ideal.

Der Grund: Bei mehr als neun Personen steigen die internen Kommunikations- und Abstimmungsaufwände, sodass das Team als Gruppe zunehmend unbeweglicher, ineffizient und ineffektiv wird. Damit geht ein wichtiger Vorteil der Teamarbeit verloren. Besonders bemerkbar macht sich dies an verlängerten Teammeetings oder größeren Abstimmungsrunden zur gemeinsamen Synchronisation und Lösung einer Aufgabe.

Fokus: Ein fester Zusammenschluss von Menschen

In vielen Organisationen gibt es Personen, die in mehreren Teams arbeiten und ihre Arbeitszeit auf die jeweiligen Termine und Aufgaben aufteilen. In der Regel liegt dies daran, dass die betroffenen Teammitglieder über einen Mix aus Wissen und Erfahrung verfügen, der im Unternehmen besonders nachgefragt ist.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Teammitglieder, die in mehreren Teams arbeiten, es letztendlich keinem wirklich recht machen können. Sie frustrieren oder erschöpfen zunehmend. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass Teammitglieder den größten Teil ihrer Arbeitszeit und ihrer Arbeitskraft exklusiv für ein Team aufbringen können. Dies ermöglicht ihnen, sich auf ein Team und ein Ziel zu konzentrieren.

Das Ziel von Teamentwicklung: Ein Hochleistungsteam oder High Performance Team wie die Team-Persona Big Five

Die Team-Persona „Big Five“: Gute Teamarbeit und mehr als eine Gruppe.

Ein gemeinsames Ziel, das für alle erreichbar und erstrebenswert ist

Nur, wenn die Teammitglieder ein gemeinsames Ziel haben, das allen bekannt ist und von allen auch für erreichbar und erstrebenswert gehalten wird, werden sie auch daran arbeiten, es zu erreichen. In einigen Organisationen ist die Suche nach einem derartigen Ziel alles andere als leicht – insbesondere, wenn das Team aus einer eigentlich gut gemeinten Umstrukturierung mehrerer Teams hervorgegangen ist. Hier hilft es, die Teammitglieder in den Entstehungsprozess wertstiftender Ziele von Beginn an zu integrieren oder diese von der Organisation wiederholt einzufordern.

Alle erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten sind versammelt

Damit die Teammitglieder ihr gemeinsames Ziel erreichen können, müssen sie über das notwendige Wissen und Können sowie idealerweise über ausreichend Erfahrung verfügen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Teammitglieder alles wissen oder können müssen. Es ist die Summe der Fähigkeiten aller, die den richtigen Mix aus Wissen und Können zur Erreichung des gemeinsamen Ziels bildet.

Trifft eigenständige Entscheidungen

Wenn viele Entscheidungen von einer teamexternen Instanz wie beispielsweise einer Führungskraft oder Lenkungsausschüssen getroffen werden, schränkt dies die Kreativität der Teammitglieder ein. Zusätzlich könnten diese die fehlende Entscheidungsbefugnis als Zeichen des Misstrauens verstehen. Die Wartezeiten bis zur Kommunikation einer Entscheidung, sorgen für Zeitverluste, wodurch einige Vorteile der Teamarbeit ins Gegenteil verkehrt werden.

Aus diesen Gründen ist es ratsam, dass die Teammitglieder den Großteil der Entscheidungen treffen dürfen. Hierbei kann sie die Organisation unterstützen, indem diese darauf achtet, dass sich das Team in keine basisdemokratischen und zeitintensiven Diskussionen verstrickt.

Acht Teammitglieder und ein Team-Coach: Würden diese Team-Personas zusammenarbeiten, hätten sie die ideale Teamgröße.

Die Communards verstricken sich schnell in basisdemokratische Diskussionen.

Ein Coach kann bei der Teamentwicklung helfen

Ein Coach kann bei der Teamentwicklung helfen.

Überprüft regelmäßig die Wirksamkeit seiner Zusammenarbeit

Das Team überprüft laut unserer Definition und den Kriterien regelmäßig, ob die gewählte Vorgehensweise und die Art seiner Zusammenarbeit noch wirkungsvoll sind. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer Retrospektive erfolgen. Es prüft dabei auch, ob das gemeinsame Ziel auf diese Art und Weise erreicht werden kann. Werden dabei Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert, dann erarbeitet das Team konkrete Maßnahmen und setzt diese zeitnah um, damit tatsächlich eine Verbesserung eintreten kann. Mit anderen Worten: Die Teammitglieder streben gemeinsam nach kontinuierlicher Verbesserung.

Die Zusammenarbeit basiert auf gelebten Werten, Prinzipien und Praktiken

Erfolgreiche Teams arbeiten nicht nur inhaltlich auf das gemeinsame Ziel hin, sondern nehmen sich auch immer wieder Zeit, um die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit zu verbessern. Dabei helfen gemeinsame Werte, die eine Zusammenarbeit erst möglich machen: gegenseitiger Respekt, Mut zu schwierigen Diskussionen und konstruktiver Kritik oder ein offener und ehrlicher Umgang miteinander. Dies sind Beispiele für Werte, die ein Team als Fundament für die Zusammenarbeit wählen kann. Generell sollten alle Teammitgliedern in einem gemeinsamen Termin Werte definieren und diese anschließend leben. Letzteres gelingt beispielsweise dadurch, dass Werteverletzungen thematisiert und in der Gruppe geklärt werden.

Können nur agile Teams unsere Definition erfüllen und erfolgreich sein?

Unsere oben stehende Definition haben wir aus unserer langjährigen Erfahrung mit Teams aller Art abgeleitet. Sie ist inspiriert von den Rahmenbedingungen, die wir in Teams und Organisationen vorfinden, die sich gemeinhin „agil“ nennen. Wir möchten aber betonen, dass wir solche Teams auch in anders strukturierten Organisationen vorgefunden haben. Somit ist unsere Definition nicht auf jene beschränkt, die „agil“ genannt werden oder sich selbst so nennen – aus welchen Gründen auch immer. Dies bedeutet, dass erfolgreiche Teams auch in nicht als agil bezeichneten Organisationen entwickelt werden können.

Ist eine Gruppe oder Arbeitsgruppe auch ein Team?

In vielen Organisationen gibt es auch andere Formen der Zusammenarbeit. Diese kümmern sich beispielsweise um die Bearbeitung von Aufgaben und Themen, die von keinem der bereits bestehenden Teams übernommen werden können. Solche Arbeitsgruppe werden oft zeitnah aus genau jenen Menschen gebildet, die benötigt werden, um ein plötzlich aufgetretenes Problem zu lösen. Auf der inhaltlichen Ebene haben einige Arbeitsgruppen in der Tat Ähnlichkeiten mit Teams. Sie haben beispielsweise ein gemeinsames Ziel, Autonomie und die passende Kombination von Wissen und Fähigkeiten. Ihnen fehlt jedoch oftmals die emotionale Tiefe.

Aus diesem Grund haben wir Teams als festen Zusammenschluss von Personen definiert. Wir gehen nämlich davon aus, dass nur dann ein großes gegenseitiges Vertrauen und eine Arbeitsatmosphäre entstehen kann, in der alle Teammitglieder zum Wohle des gemeinsamen Ziels ihre Meinungen und Gedanken offen äußern.

Acht Teammitglieder und ein Team-Coach: Würden diese Team-Personas zusammenarbeiten, hätten sie die ideale Teamgröße.

Vorteil der Teamarbeit: Die Gruppe kann Lösungen schaffen, die einzelne nicht hinbekommen hätten.

Wichtige Vorteile durch Teamarbeit

Die oben erläuterten Kriterien und Merkmale zeigen die Vorteile auf, die ein Team und Teamarbeit mit sich bringt:

  • Durch die Summe der Fähigkeiten aller Teammitglieder ist das Team dazu in der Lage, Aufgaben zu lösen, die ein einzelnes Teammitglied nicht zu lösen im Stande wäre.
  • Durch gemeinsame Brainstormings und die unterschiedlichen Wissensstände und Erfahrungen der Teammitglieder können Ideen entstehen, die ein einzelnes Teammitglied alleine nicht hätte entwickeln können.
  • Entscheidungsbefugnisse und gelebte Verantwortung ermöglichen effiziente und effektive Reaktionswege, die zu einer schnellen Reaktion auf Veränderungen oder äußere Einflüsse führen.

Es wird deutlich: Aus Sicht einer Organisation ist es mehr als lohnenswert, in gute Teams, sowie Teamarbeit und Teamentwicklung zu investieren.

Wie kann man Teams motivieren?

Generell lassen sich Teammitglieder nicht direkt motivieren. Führungskräfte, Projektleiter, Scrum-Master und Agile Coaches können jedoch mögliche Demotivatoren aus dem Weg räumen, um gute Teamarbeit zu fördern. Auch hier helfen unsere Kriterien und Merkmale, indem sie dazu genutzt werden, um über das eigene Team zu reflektieren. Sind alle Kriterien und Merkmale erfüllt? Wenn nein, was kann ich dafür tun?

Wir sind davon überzeugt, dass Teammitglieder eher motiviert sind, wenn alle Kriterien und Merkmale erfüllt sind. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Wenn ein Team über ein Ziel verfügt, das vom Großteil der Teammitglieder als nicht erreichbar oder erstrebenswert angesehen wird – warum sollten die Teammitglieder dann motiviert sein, an der Zielerreichung zu arbeiten?

Unsere Definition ist der Startpunkt wertstiftender Teamentwicklung

Einige Personen fragen sich vermutlich, was man in einem Team noch entwickeln soll, wenn alle Merkmale erfüllt sind. „Ist die Definition nicht sehr hochgegriffen und zu anspruchsvoll?“ ist dann die naheliegende Frage, die wir uns manchmal bei unseren Vorträgen bei Meetups oder Konferenzen sowie als Gast in Podcasts anhören müssen. Wir sagen: Es braucht einiges an Zeit und Geduld, um unsere Definition zu erreichen. Die Merkmale und Kriterien geben jedoch wertvolle Hinweise für mögliche nächste Schritte in der Teamentwicklung. Sollten einzelne Kriterien nicht erfüllt sein, ist das deshalb auch alles andere als schlimm. Wichtig ist nur, sich dieser Tatsache bewusst zu sein und mit der Teamentwicklung eben an diesen Punkten anzusetzen, um es für die Zukunft zu ändern.

Die fünf Handlungsfelder im Modell für nachhaltige Teamentwicklung

Das Modell für nachhaltige Teamentwicklung als Alternative zur Teamuhr.

Teams entwickeln sich nicht in Phasen

Das Thema Teamentwicklung wird oftmals mit den Phasen der Teamentwicklung oder der Teamuhr von Tuckman in Verbindung gebracht. In unserem dazugehörigen Artikel beschreiben wir, wie diese funktioniert und in welchen Punkten Bruce Tuckman damals daneben gelegen hat. Aber auch viele anwendenden Personen liegen oft falsch. Sie interpretieren in die Teamuhr und dessen Phasen der Teamentwicklung einen Automatismus hinein, der in der Realität nicht existiert.

Deshalb empfehlen wir das Modell für nachhaltige Teamentwicklung. Es besteht aus den fünf Handlungsfeldern psychologische Sicherheit, Wissen, Erfahrung, Werte und Haltung. Richtig angewendet, hilft dabei, jedes Team und sich persönlich kontinuierlich wie auch nachhaltig weiterzuentwickeln. Wir haben sowohl das Modell in einem gesonderten Artikel beschrieben. In unserem Praxisbuch für nachhaltige Teamentwicklung ist neben dem Modell auch dessen Anwendung mithilfe des Leitfadens zu finden.